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Was macht einen Film zum Klassiker?

Wenn man sich mit Filmfans über Filme unterhält, fallen bestimmte Begriffe sehr häufig. Einer dieser beliebten Terminologien ist der des „Klassikers“. Doch was genau qualifiziert einen Film, dieses Qualitätssiegel verabreicht zu bekommen? Und sagt der Status eines „Klassikers“ tatsächlich etwas über die Qualität des Films aus? Da es hierzu keine einheitliche Definition gibt, lässt sich nicht verbindlich sagen, welche Kriterien ein Film erfüllen muss, damit er gemeinhin als „Klassiker“ bezeichnet werden kann. Dennoch lassen sich einige grundlegende Gedanken dazu festhalten.

Eine Definition nach dem Wortsinn

Schaut man sich das Wort „Klassiker“ genauer an, erhält man eine erste Vorstellung davon, was der Begriff etymologisch bedeutet. Das lateinische Wort „classis“ bedeutet so viel wie „Klasse“ und ein „classicus“ war demnach ein Römer, der der höchsten Bürger- und damit auch Steuerklasse angehörte. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff „classicus“ im Mittelalter dann auch auf weitere Lebensbereiche übertragen. Ein „classicus“ wurde nun zu einem übergeordneten Vorbild und einem Muster für andere Exemplare oder Angehörige derselben Klasse oder Gattung. Für einen „classicus“ im filmischen Bereich lässt sich also folgende vorläufige Definition formulieren:

Ein Filmklassiker ist ein Film, der als übergeordnetes Vorbild für andere Filme fungiert.

Diese Vorbildfunktion eines Klassikers kann sich auf verschiedene Bereiche der Filmkunst beziehen. Grundsätzlich lassen sich verschiedene Ebenen ausmachen, auf denen ein Film als Vorbild für andere Filme gesehen werden kann.

1. Filme als Vorbild auf gestalterischer Ebene:

Es gibt Filme, die aus verschiedensten Gründen das kollektive Verständnis eines Genres maßgeblich geprägt haben. So ist zum Beispiel „Blair Witch Project“ (1999) des Regieduos Daniel Myrick und Eduardo Sanchez der erste (kommerziell erfolgreiche) Kinofilm, der im Found-Footage-Stil gedreht wurde und kann damit als DAS Vorbild für das mittlerweile fast schon inflationär produzierte Horror-Subgenre gesehen werden. Insofern ist „Blair Witch Project“ auf gestalterischer Ebene auf jeden Fall ein Klassiker. Ähnliches lässt sich zu John Hustons „Die Spur des Falken“ (1941) sagen, der gemeinhin als Auftakt des Film Noir gilt und eine neue Art des Detektiv-Films etablierte.

Auf gestalterischer Ebene ist beispielsweise auch die Erzählstruktur eines Films beachtenswert. Hier wäre als prominentes Beispiel Orson Welles „Citizen Kane“ (1941) zu nennen. Welles Film war einer der ersten, der die gängige linearen Erzähltechnik aufbrach und stattdessen mit Zeitsprüngen und Rückblenden arbeitete. „Citizen Kane“ ist zudem einer der ersten Filme außerhalb der Slapstick-Stummfilme, in dem die so genannte vierte Wand durchbrochen wird und die Figuren sich direkt an das Publikum wenden.

Wenn es um finale Twists in Filmen geht, kommt man nicht an „Das Cabinet des Doktor Caligari“ von Robert Wiene aus dem Jahr 1920 vorbei, bei dem es sich um den ersten Film handelt, der in seinem Finale eine Wendung präsentiert, die die komplette zuvor gezeigte Handlung auf den Kopf stellt und ihr eine neue Bedeutung verpasst. 

2. Filme als Vorbild auf inhaltlicher Ebene:

Auch wenn es in letzter Zeit nicht mehr allzu häufig vorkommen mag, gibt und gab es auch immer wieder Filme, die auf inhaltlicher Ebene mit einer Geschichte faszinieren, die so noch nie auf der Leinwand zu sehen waren. Diese Filme wirken in der Folge oft als Vorbilder für Ableger oder Nachahmer, die das klassische Vorbild aber in den seltensten Fällen erreichen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist der Film „King Kong und die weiße Frau“ aus dem Jahr 1933. Dabei handelt es sich nicht nur um einen der ersten Monster-Filme überhaupt. Neu ist hierbei auch, dass das Monster als eigentlicher Star des Films zwar als gefährlich und wild, aber niemals als böse oder blutrünstig dargestellt wird. Auch das Motiv der menschlichen Überheblichkeit und Gier (der Riesenaffe soll als Attraktion in Ketten gelegt und für zahlende Kunden zur Schau gestellt werden), hat es in der Form auf der Leinwand noch nicht gegeben. Vor allem das letztgenannte Motiv wurde später von zahlreichen anderen Filmen, man denke nur an Spielbergs Jurassic Park (1993), aufgegriffen und verarbeitet.

Filme wie William Wylers „Ben Hur“ (1959) oder Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“ (1956) gelten nicht zuletzt als Klassiker, weil sie als erste Vertreter historischer Monumentalfilme der 50er Jahre eine opulente Ära Hollywoods einleiteten. Wenn es Gefängnis- und/oder Ausbruchfilme geht, sind Franklin J. Schaffners „Papillon“ (1973) oder John Sturges „Gesprengte Ketten“ (1963) die Werke, die viele nachfolgende Filme des Genres beeinflusst und geprägt haben. Und auch Filme wie Peter Bogdanovichs „Die lezte Vorstellung“ (1971), bei dem es sich gewissermaßen um einen der ersten Coming-Of-Age-Filme handelt, sind unter inhaltlichen Gesichtspunkten eindeutig als Klassiker zu sehen.

3. Filme als Vorbild auf moralischer Ebene

In vielen Filmen liegt einer oft komplexen Handlung eine einzige grundlegende ethisch-moralische Frage zu Grunde. Ein oft behandeltes Thema wäre hierbei das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und moralischer Vertretbarkeit. Einer der ersten Filme, der diesen zeitlosen Konflikt behandelt, ist James Whales „Frankenstein“ aus dem Jahr 1931. Der Film basiert auf dem Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ von Mary Shelley aus dem Jahr 1818, das seinerseits ein literarischer Klassiker ist. Darin erweckt der Wissenschaftler Viktor Frankenstein ein aus Leichenteilen zusammengeflicktes Monster zum Leben, was er später bereuen soll.

Die Grenzen zwischen der moralischen und der inhaltlichen Ebene sind fließend. Denn wie oben am Beispiel King Kongs gezeigt, gehen neue moralische Ansätze häufig mit ebenfalls neuen Inhalten einher. Das ist jedoch nicht zwangsläufig so. In den 1960er Jahren erschien beispielsweise eine ganze Reihe frei nach Karl May gedrehter „Winnetou“-Filme. Diese sind weder gestalterisch noch inhaltlich neu. Moralisch hingegen schon. Immerhin zeichnen die Filme ein deutlich Indianer-freundlicheres Bild als zum Beispiel die älteren oder zeitgenössischen amerikanischen Western. Von daher wäre die Winnetou-Reihe auf moralischer Ebene auf jeden Fall auch als Klassiker zu bezeichnen.

Andere Filme rücken bewusst Themen in den Fokus, die bis dahin tabuisiert wurden. So handelt es sich bei Ang Lees „Brokeback Mountain“ (2005) um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Cowboys und somit um einen der ersten Filme, die sich dem Thema Homosexualität annahm und damit ein breites Publikum fand.

4. Filme als Vorbild auf Figuren-Ebene

Viele Filme verzichten heute darauf, ihren Figuren so etwas wie eine Persönlichkeit oder ein Profil einzuverleiben. Viel mehr greift man auf altbewährte Stereotype und Rollenklischees zurück. Als da wären: die attraktive, aber naive Blondine, der grummelige, einsame Polizist oder der kiffende Nichtsnutz aus der Nachbarschaft. Doch Stereotype wie diese gab es nicht schon immer. Auch wenn es schwer vorstellbar erscheint, waren die viel zu oft gesehenen Abziehbilder von Figuren, irgendwann mal neu und innovativ. Manche Filme haben es geschafft, Figuren zu kreieren, die anderen Filmen bis heute als Vorbild und als Schablone dienen. Wenn es um Mafia- oder Gangsterfilme geht, haben viele Zuschauer/innen ein relativ klares Bild im Kopf, wie der Gangsterboss aussieht, auftritt und handelt: wie Marlon Brando als Don Vito Corleone in Francis Ford Coppolas „Der Pate“ von 1972. Hinzu kommt auch noch, dass „Der Pate“ auch auf inhaltlicher Ebene ein Vorbild für viele spätere Gangsterfilme darstellt. Ein Klassiker in doppelter Hinsicht.

Nicht weniger einflussreich war George Romeros „Night oft he Living Dead“ (1968), der das heutige Bild des Zombies als primitiven kannibalischen Wiedergängers, der aus der aktuellen Film- und Serienlandschaft nicht mehr wegzudenken ist, entscheidend geprägt hat. Ohne „Die Nacht der lebenden Toten“ gäbe es heute wahrscheinlich weder die erfolgreiche Serie „The Walking Dead“ noch Kassenschlager wie „Zombieland“ oder unzählige andere Zombiefilme.  

Manche Filme sind sogar auf mehreren Ebenen echte Klassiker. Dazu gehört zum Beispiel auch John G. Avildsens Boxerdrama „Rocky“ (1976). Der Film hat sowohl inhaltlich als auch gestalterisch, man denke nur an die oft kopierte Trainingsmontage, einige Filme nach ihm beeinflusst und geprägt. Hinzu kommt auch noch die von Silvester Stallone gespielte Hauptfigur Rocky Balboa, der als knorriger und verbissener Einzelgänger sich seinen Weg nach oben kämpft und damit auch auf Figurenebene einen wahren Klassiker darstellt.

5. Filme als Vorbild auf technischer Ebene

Diese Ebene ist die für den gemeinen Filmfan vielleicht am wenigsten relevante. Kaum jemand dürfte heute noch den Film „Schwarzwaldmädel“ (1950) kennen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Film um den ersten westdeutschen Farbfilm, der Stil und Optik des deutschen Heimatfilms maßgeblich geprägt hat. Der Film war in technischer Hinsicht sicherlich ein Vorbild für zahllose weitere Filme dieser Art und kann daher auf jeden Fall auch als deutscher Klassiker bezeichnet werden.

Ähnlich verhält es sich mit Disneys „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1937), bei dem es sich um einen der ersten (vielleicht sogar DEN ersten) abendfüllenden Zeichentrickfilme in Farbe handelt. Oder auch mit „Toy Story“ (1995), dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm. Auch auf dieser technischen Ebene können Filme als Vorbild dienen und damit zu den Klassikern gezählt werden.

James Camerons „Avatar“ revolutionierte 2009 die digitale 3D Technik und sorgte damit für einen noch heute anhaltenden 3D-Boom in den Kinos, sodass er zumindest auf technischer Ebene als richtungsweisender Klassiker gesehen werden kann.  

Und auch der oben bereits erwähnte „Citizen Kane“ sei an dieser Stelle noch einmal genannt, da der Film nicht nur auf gestalterischer, sondern auch auf technischer Ebene als Vorreiter fungierte. So setzte Welles beispielsweise unterschiedliche Kameraobjektive ein, um – für damalige Verhältnisse – ungewöhnliche Perspektiven und Ansichten zu kreieren. Auch im Hinblick auf den Schnitt und die Bildkomposition ging „Citizen Kane“ neue Wege und hob das damals noch junge Medium Film auf technischer Ebene damit auf ein neues Level.

6. Filme als kulturelles Zeugnis oder Porträt einer Epoche

Diese Ebene mag zunächst etwas schwammig anmuten. Ein paar konkrete Beispiele sollen jedoch erklären, was damit gemeint ist. Filme wie zum Beispiel „Casablanca“ (1942) sind weder inhaltlich-moralisch, noch technisch oder von den Figuren her Werke, die als Vorbild herhalten können. Eine romantische Dreiecksbeziehung war selbst zum Entstehungszeitraum des Films nicht sonderlich innovativ. Und dennoch gehört der Film heute noch zu einem der beliebtesten Filme überhaupt. Das liegt unter anderem daran, dass „Casablanca“ ein authentisches Muster für das Leben in der Zeit während des zweiten Weltkriegs, in der die Menschen neben der existenziellen Bedrohung auch schwierige private Entscheidungen treffen müssen. Auch diese Authentizität kann einen Film zu einem Klassiker machen.

Ein weiterer Aspekt, der einen Klassiker ausmachen kann, wird an den Beispielen der Monty Python-Filme „Die Ritter der Kokosnuss“ (1975) und „Das Leben des Brian“ (1979) deutlich. Die Filme weisen keines der ersten fünf Merkmale eines Filmklassikers auf und dürfen sich dennoch dieses Labels erfreuen. Denn wenn man von dem berüchtigten britischen Humor spricht, wird man keinen Weg an diesen Filmen vorbei finden. Genau das macht die Filme zu einem Zeugnis der englisch-britischen Kultur und damit ebenfalls zu einem echten Klassiker.

Als letztes Beispiel könnte man auch Gordon Parks „Shaft“ (1971) aufführen, der als einer der erfolgreichsten Filme des Black Cinema und der Blaxploitation Ära, den Fokus des Mainstream-Publikums auf die Subkultur afroamerikanischer Filmschaffenden erweiterte.

Abschließende Gedanken – Alles eine Frage der Zeit?

Nach dieser Vorstellung der sechs Ebenen, kann die eingangs aufgestellte Definition wie folgt erweitert werden:

Ein Filmklassiker ist ein Film, der im Hinblick auf die Charakterisierung seiner Figuren oder in inhaltlicher, technischer, moralischer oder gestalterischer Hinsicht als Vorbild für andere Filme fungiert oder ein Porträt einer Kultur oder geschichtlichen Epoche darstellt.

Diese Definition ist recht kompliziert und sperrig und wird sich im cineastischen Diskurs vermutlich nicht durchsetzen. Dennoch kann eine solche Betrachtung helfen, Filme im Hinblick auf ihre Wirkung und ihre Bedeutung für das jeweilige Genre oder das Kino im Allgemeinen zu würdigen.

Schaut man sich die in diesem Beitrag aufgeführten Beispiele an, fällt durchaus auf, dass die meisten Filme bereits vor 1980 erschienen sind. So drängt sich durchaus der Eindruck auf, dass Klassiker per se ein gewisses Alter erreicht haben müssen, um sich zu dieser erlesenen Kategorie zählen zu dürfen. Wenn man „Klassiker“ danach definiert, ob sie als Vorbild für andere Filme fungiert haben, erscheint es nur logisch, dass es ein wenig zeitlichen Abstands bedarf, um diese Nachahmer entstehen zu lassen und bestimmte Merkmale eines Films genauer einschätzen zu können. Nichtsdestotrotz zeigen Beispiele wie „Avatar“, „Brokeback Mountain“ oder „Blair Witch Projekt“, dass es durchaus auch so etwas wie moderne Klassiker geben kann. Diese beziehen sich dann jedoch eher auf die technische, moralische oder gestalterische Ebene.

Ebenso stellt sich die Frage, ob ältere Filme automatisch zu einem Klassiker werden, wenn sie nach etlichen Jahren immer noch eine große Fangemeinde haben und auch heute noch neue Filmfans begeistern. Stichwort: „Star Wars“. Kaum ein Film oder eine Filmreihe hatte einen derartigen Einfluss auf die Popkultur wie die „Krieg der Sterne“-Saga. Aber irgendwie passen die Filme nicht so recht zu der oben formulierten Definition. Wenn man schon unbedingt Labels auf Filme kleben will, dann wäre vielleicht der Aufkleber „Kultfilm“ im Zusammenhang mit „Star Wars“ die treffendere Wahl. Doch das wäre bereits Thema für einen weiteren Beitrag.

20 Gedanken zu „Was macht einen Film zum Klassiker?“

  1. Bei dem Beitrag hab ich mir auch irgendwann gedacht, dass jeder halbwegs bekannte Film der den „test of time“ bestanden hat, irgendwie reinpassen kann 😁

    Versteh mich nicht falsch, du hast schon recht mit dem was du schreibst, aber ich würde die Klassiker an sich nochmal abstufen: Der Film im Ganzen als Klassiker, ein teilaspekt macht ihm zum Klassiker und ein Film ist für jemanden subjektiv ein Klassiker (zB das schöne Wort „instant classic“).

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    1. „Bei dem Beitrag hab ich mir auch irgendwann gedacht, dass jeder halbwegs bekannte Film der den „test of time“ bestanden hat, irgendwie reinpassen kann“

      Lustig, dass du das sagst. Mir ging es beim Schreiben tatsächlich eher andersrum. Mir sind total viele Filme eingefallen, die oft als Klassiker bezeichnet werden oder die ich selbst aus dem Bauch heraus als solchen bezeichnen würde. Und als ich sie dann als Beispiele für eine der Kategorien heranziehen wollte, habe ich gemerkt, dass sie im Grunde überhaupt nichts „klassisches“ (nach meiner Definition) haben.

      Nur damit ich es richtig verstehe. Was wäre für dich persönlich ein subjektiver Klassiker und warum? Ich bin mir nicht sicher, ob mir da ein Beispiel zu einfallen würde.

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      1. Wie lange kann man vergessen zu antworten? Ich: Ja! 😅

        Also subjektive Klassiker sind für mich Filme, mit denen man persönliche was verbindet, die allgemein aber nicht zu Klassikern zu zählen sind. Beispiel: „Ein Königreich für ein Lama“ ist für mich ein großer Disney Klassiker, weil es mein erster Kinofilm war. Aus meiner Sicht ist es also ein Klassiker, allgemein hat er aber kaum Bedeutung nach irgendeiner Definition.
        Aber vielleicht ändert sich das auch mit dem Alter. Viele Filme meiner Kindheit sind in 40 Jahren alle Klassiker, allein weil man sie noch nicht komplett vergessen hat 😁 (PS: Dieser Gedanke bringt mich auf eine Podcast bzw. Blogidee…)

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      2. Wird ein Popel zu einem Nahrungsmittel, wenn er keiner der gängigen Definitionen eines Nahrungsmittels entspricht aber von einer einzelnen Personen gerne verzehrt wird? Ist er dann ein subjektives Nahrungsmittel?
        Ich denke nur laut und schweife ab… 🤣😉

        Auf die Blog-Idee bin ich dann aber mal gespannt. Hoffentlich bekomme ich die Credits, wenn die Idee gut ist. Aber irgendwie bezweifle ich das.

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      3. Die Abschweifung ist aber eigentlich ganz passend. Ersetze Popel vielleicht durch insekten und du hast ein subjektives Nahrungsmittel für viele Menschen, aber halt nicht nach unserer gängigen Auffassung 😁

        Du bezweifelst, dass es eine gute Idee wird oder das du Credits dafür bekommst? Bei beidem darf man legitim dran zweifeln 😬

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  2. Ein she interessanter und umfassender Versuch einer Begriffsdefinition, die ich weitgehend treffend finde. Es werden sich sicherlich Beispiele finden alssen, die immer noch nicht abgedeckt werden, aber dennoch als Klassiker bezeichnet werden können, aber so ist das mit Regeln uns Ausnahmen, die diese bestätigen.

    Kultfilm hingegen halte ich für fast unmöglich allgemein quantifizierbar.

    Jetzt aber zum wichtigesten Teil des Textes: Star Wars (sorry). Für mich passt der in Deine 1., 2. und 5. Kategorie. Der Film hat (gemeinsam mit Jaws) den Sommerblockbuster begründet. Vor allem aber quasi eigenhändig den Effektblockbuster. SciFi in den 70ern war sowas wie Soylent Green, das fast ausschließlich von seinen Ideen lebte, nicht von den Effekten. Ich würde soweit gehen zu argumentieren, für das heutige Blockbuster-Kino ist Star Wars der absolut zentrale Klassiker. Vom extrem volatilen Fandom Jahrzehnte vor Sozialen Medien wollen wir gar nicht reden.

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    1. Vielen Dank.

      Über deine Ausführungen zu Star Wars müsste ich erst mal nachdenken. Aber ich antworte jetzt einfach mal ohne dies zu tun…

      Gestalterisch würde ich dir Recht geben, da Star Wars quasi ein Muster des World Buildings ist, was letztendlich in etwas mündete, das wir heute Franchise nennen. Da lässt sich wenig dagegen sagen.
      Inhaltlich würde ich jedoch sagen, dass Star Wars jetzt nicht unbedingt das Rad neu erfunden hat oder gar Nachahmer hervorgebracht hat.
      Den technischen Punkt würde ich dir auch geben, wobei man „SciFi in den 70ern war sowas wie Soylent Green, das fast ausschließlich von seinen Ideen lebte, nicht von den Effekten.“ nur sagen kann, wenn man den bereits in den 60ern erschienenen „2001“ ausklammert 😉

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      1. Inhaltlich hat es dad Rad nicht neu erfunden (es gibt auf youtube ein video, das star wars aus seinen Vorlagen „nachstellt“, aber das habe ich nicht gefunden), das stimmt. Aber er hat Campbells Monomythos/Heldenreise quasi als Drehbuchblaupause etabliert.

        Klar gab es auch schon eindrucksvolle Effektfilme vor Star Wars. Mindestens alles an dem Doug Trumbull beteiligt war (der an SW ja berühmterweise nicht arbeiten wollte). Aber es SCHEINT (soweit man das aus der Rückschau beurteilen kann), dass das nicht unbedingt war, was im Gedächtnis blieb. Um bei Soylent Green zu bleiben: Heston wollte den Film machen, weil er nach Planet der Affen wieder einen Film mit einer großen Wendung am Schluss machen wollte. Dass für den einen noch heute eindrucksvolle Masken hergestellt wurden, der andere auf einem zerfallenden Hinterhof gedreht wurde, scheint für die Wahrnehmung gar keinen so großen Unterschied gemacht zu haben. Aber gut, einigen wir uns darauf, dass SW ein Kultfilm ist? 😉 (nach meiner persönlichen Definition von Kultfilm eigentlich nicht, aber das ist ein anderes Thema…)

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      2. Für mich ist ein Kultfilm ein Film (ach nee), der bei Erscheinen wenig oder keinen Erfolg hatte, dann aber später von einer umso begeisterteren (teilweise durchaus großen) Gruppe von Fans abseits des Mainstrams (eben dem „Kult“) entdeckt zu werden. Egal ob das nun ein gescheiterter Blockbuster, ein Indiefilm, oder ein seltsamer No Budget Film ist.

        Da ich selber einsehe, dass diese Definition zahlreiche Filme, die allgemein als Kultfilme geführt werden ausschließt, nenne ich Filme, die von anfang an erfolgreich waren, aber dennoch einen wirklichen „Kult“ um sich entwickelt haben, wie eben Star Wars, Kult-Blockbuster.

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      3. Ich wüde hinzufügen, dass man bei einem erfolgreichen Film noch zwischen gesteuertem und „organischem“ Entstehen des Kultes unterscheiden sollte. Lucas hat seine Reihe von Anfang an als Kultfilme via Comics und Bücher und allerlei Hintergrundmaterial ausgelegt. Also gesteuert. Im Gegensatz etwa zu Wizard of Oz, der in den 50ern/60ern zum Kultfilm in der LGBT+ Gemeinde wurde.

        Bei erfolglosen Filme entsteht der Kult (ich füge mal ein „fast“ ein, Ausnahmen gibts (fast) immer) immer organisch.

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  3. Hui, spannend. Bevor ich den Artikel gelesen habe, hab ich selber mal darüber nachgedacht und kam dabei raus „an die man sich heute noch erinnert, weil sie sich durch x abgesetzt haben“, wobei x wahrscheinlich deine Kategorien sind. In den Kommentaren oben wurde das als test of time bezeichnet.
    Deine Erklärung mit dem Vorbild finde ich aber auch sehr treffend. Schwierig finde ich hier eher: wo grenze ich das zu einem Hype oder Kultfilm ab? Nicht jeder Hype hat das Zeug zu einem Filmklassiker. Ich sehe das MCU noch nicht als künftige Filmklassiker, auch wenn sie die ersten waren, die ein Filmuniversum erfolgreich verknüpft haben.

    Da komme ich direkt auf das nächste … Vorbild heißt ja immer man sei der erste, der etwas gemacht hat. Der dritte Mann ist aber nicht der erste Noir-Film und trotzdem Klassiker. Also auch alleine mit Zeit und Vorreiterrolle lässt sich das vielleicht nicht erklären. Aber das wusstest du und ich vielleicht eh schon, dass Klassiker von jedem anders definiert wird.
    Auf jeden Fall ein spannendes Thema.

    Ich würde „Brokeback Mountain“ übrigens nicht als „somit um einen der ersten Filme, die sich dem Thema Homosexualität annahm und damit ein breites Publikum fand“ bezeichnen.

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    1. „Hui, spannend. “
      Danke schön 🙂

      „wo grenze ich das zu einem Hype oder Kultfilm ab? Nicht jeder Hype hat das Zeug zu einem Filmklassiker. Ich sehe das MCU noch nicht als künftige Filmklassiker, auch wenn sie die ersten waren, die ein Filmuniversum erfolgreich verknüpft haben.“

      Zum Thema Kultfilm wurde ja oben in den Kommentaren schon ein bisschen was gesagt. Das komplette MCU würde ich schon als „klassisches“ FIlmuniversum bezeichnen, weil es eben das erste (erfolgreiche) war. Ich würde aber nicht alle Einzelfilme des MCU als Klassiker bezeichnen. Vielleicht „Iron Man“, wenn man ihn als so etwas wie die Blaupause des modernen Superheldenfilms sehen möchte. Wäre der gefloppt, wäre das MCU wahrscheinlich stilistisch in eine ganz andere Richtung gelaufen.

      „Der dritte Mann ist aber nicht der erste Noir-Film und trotzdem Klassiker.“
      Das ist ein sehr gutes Beispiel. 🙂 Da könnte man jetzt natürlich weiterdenken und die Frage aufwerfen, wer den behauptet dass der Film ein Klassiker sei 😉 Je nachdem welche Definition man zugrunde legt, könnte man auch argumentieren, dass „The third Man“ eben kein Klassiker ist.
      Wobei man ihn auch mit meiner Definition durchaus dazuzählen könnte. Er war zwar nicht der erste Film Noir. Aber zumindest war er der erste (mir bekannte), der die authentischen Schauplätze des zerbomten und besetzen Wiens präsentiert und deren Stimmung und Wirkung auf den Film nutzt.

      „Ich würde „Brokeback Mountain“ übrigens nicht als „somit um einen der ersten Filme, die sich dem Thema Homosexualität annahm und damit ein breites Publikum fand“ bezeichnen.“
      Warum nicht? Habe ich da etwas übersehen?

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  4. Der Beitrag hat sehr gute Überlegungen – stellt manche Aspekte teils jedoch zu vereinfacht dar.

    Die (Film)klassiker lassen sich zunächst grundlegend in normative, stilprägende und epochale Kategorisierungsdimensionen einordnen.

    Hierbei sollte die eigene Positionierung (Soziale Herkunft, Privilegien usw.) dann hinterfragt werden. Das US-amerikanische und europäische Kino hat maßgebend unseren Blick auf das Kino und die Filme beeinflusst. Der filmgeschichtliche Erfahrungsraum sollte aber noch erweitert werden, als es bei diesen Kontinenten zu belassen. Das ist jedoch der eigenen Filmsozialisierung geschuldet, die wir bereits in Kinderjahren erleben. Erst die globale Vernetzung und der Zugang zu Werken der Filmgeschichte verändern die Perspektive auf solche Fragen „Was ist ein Klassiker?“ nachhaltig.

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    1. „Erst die globale Vernetzung und der Zugang zu Werken der Filmgeschichte verändern die Perspektive auf solche Fragen „Was ist ein Klassiker?“ nachhaltig.“

      Absolut richtig. Ich habe bei der Auswahl der Beispiele (mehr oder weniger bewusst) Werke gewählt, die allgemein in unserem Kulturkreis recht bekannt sind.
      Du darfst hier gerne ein paar internationale Vertreter auflisten, die für dich zu den Klassikern gehören.

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  5. Die Auswahl der Filmtitel ist schon ganz passend. Die Filmographie stellen wir ja zumeist nach unseren Filmsichtungserfahrungen zusammen – das ist klar.

    Beim Kommentar zu „Brokeback Mountain“ könnte man noch hinzufügen, dass Ang Lee bereits in seinem Frühwerk das Thema Homosexualität umgesetzt hat – in „Das Hochzeitsbankett“ von 1993. Der Film erreichte jedoch keinesfalls ein sehr großes Publikum.

    Auf unseren Kulturkreis bezogen ließe sich hier allerdings Sönke Wortmanns „Der bewegte Mann“ anfügen. Dieser Film hat das Thema Homosexualität im Fokus und generierte 6,6 Millionen Kinozuschauer/innen im Jahr 1994.

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