Essays

Stephen King – Der König der Romanverfilmungen

Stephen King ist nicht nur der erfolgreichste Autor der amerikanischen Literaturgeschichte. Der Amerikaner steht auch im Guinness-Buch der Rekorde als der lebende Autor, dessen Werk die meisten Filmadaptionen hervorgebracht hat. Einige davon gelten als große Meisterwerke, andere als übelster Schund. Doch auch wenn Kings Spitzname, „The King of Horror“, anderes vermuten lassen würde, beschränkt sich das cineastische Erbe des Autors keineswegs auf das Horrorgenre.

King und das Medium Film

„I love the movies, and when I go to see a movie that’s been made from one of my books, I know that it isn’t going to be exactly like my novel because a lot of other people have interpreted it. But I also know it has an idea that I’ll like because that idea occurred to me, and I spent a year, or a year and a half of my life working on it.“

King zeigte schon früh in seiner Karriere großes Interesse an den Verfilmungen seiner Bücher. Bereits seit den 1980er Jahren arbeitete er an einigen Drehbüchern mit. Darunter u.a. George Romeros „Creepshow“ (1982), Daniel Attias „Werwolf von Tarker Mills“ (1985) oder Mary Lamberts „Friedhof der Kuscheltiere“ (1989). Seit den 1990er Jahren ist King zudem regelmäßig als Produzent in seine eigenen Adaptionen involviert. So zum Beispiel im dreiteiligen TV-Film „The Shining“ aus dem Jahr 1997, den King in erster Linie nur deshalb produzierte, weil er mit Stanley Kubricks Verfilmung aus dem Jahr 1980 massiv unzufrieden war.

Im Jahr 1986 versucht sich King gar selbst als Filmregisseur und verfilmte seine eigene Kurzgeschichte „Trucks“ unter dem Titel „Maximum Overdrive“. Für diese Regieleistung wurde er 1987 für die Goldene Himbeere als schlechtester Regisseur nominiert. Den Preis „gewann“ letztendlich jedoch Prince für die Regie in „Under the Cherry Moon“. In einigen Filmen ist King zudem in Nebenrollen und kleinen Cameo-Auftritten zu sehen.

Carrie – Die erste King-Verfilmung

Kings Debütroman „Carrie“ erschien im Jahr 1974 und machte den Autor berühmt. Bereits zwei Jahre später würde „Carrie“ (1976) unter der Regie von Brian De Palma verfilmt. Im Film geht es um das titelgebende Mädchen Carrie, das mit telekinetischen Fähigkeiten ausgestattet ist und in der Highschool ein Dasein als Außenseiterin fristet. Das hängt auch mit der schwierigen Beziehung zwischen Carrie und ihrer fanatischen Mutter zusammen, die im Film von Piper Laurie gespielt wird. Die damals 26-jährige Sissy Spacek spielt hier die Hauptrolle der 16-jährigen Carrie und schaffte damit den internationalen Durchbruch. Die beiden Darstellerinnen wurden 1977 jeweils für den Oscar als beste Haupt-, bzw. beste Nebendarstellerin nominiert. Damit zählt „Carrie“ zu den wenigen Horrorfilmen, die sogar für mehrere Kategorien bei den Academy Awards nominiert waren. 

Die große King-Welle in den 80er Jahren

Nachdem „Carrie“ ein großer Erfolg geworden war, schwappte in den 1980er Jahren eine riesige Welle an King-Verfilmungen in die Kinos. Zwischen den Jahren 1980 und 1989 erschienen 13 Kinofilme, die auf einer literarischen Vorlage Kings basierten. Neben den bereits erwähnten „The Shining“ (1980), „Creepshow“ (1982), „Werwolf von Tarker Mills“ (1985), „Maximum Overdrive“ (1986) und „Friedhof der Kuscheltiere“ (1989) hatte vor allem „Kinder des Zorns“ (1984) einen nachhaltigen Einfluss. Dieser Einfluss basiert jedoch nicht auf der Qualität des Werks, sondern viel mehr auf der Tatsache, dass der Film zwischen 1992 und 2011 sieben Fortsetzungen, ein Remake aus dem Jahr 2009, das 2018 ebenfalls fortgesetzt wurde, und 2020 ein Prequel hervorbrachte. King selbst äußerte sich mehrfach kritisch bis abfällig über diese Verfilmungen und distanziert sich davon.

1983 sprangen gleich zwei große Namen des Horrorgenres auf den King-Zug auf: David Cronenberg veröffentlichte „Dead Zone“, während sich John Carpenter dem Roman „Christine“ annahm. Vor allem „Dead Zone“ ist insofern interessant, als dass es hierbei erstmals um keine Horrorverfilmung handelt, sondern um einen Polit-Thriller, wenngleich einen mit einer übernatürlichen Komponente. Christopher Walken spielt hier einen jungen Mann, der, nachdem er aus dem Koma erwacht, über übersinnliche Fähigkeiten verfügt. Er kann die Zukunft der Menschen vorhersehen, die er berührt. Als er bei einer Wahlveranstaltung einem Politiker die Hand schüttelt, sieht er, dass dieser in der Zukunft als Präsident einen Atomkrieg auslösen wird und beginnt, ein Attentat auf den zukünftigen Präsidenten zu planen.

In „Christine“ geht es um ein mysteriöses Auto, das über ein mörderisches Eigenleben verfügt und Besitz von einem Highschool-Schüler ergreift. 1983 war King als Autor derart populär, dass mit der Produktion des Films begonnen wurde, bevor Kings Roman erschienen war. Das führte dazu, dass der Film, von Kings Grundidee abgesehen, nur wenig mit der literarischen Vorlage gemein hat.

Ein weiterer beachtenswerter Film, der wenig mit Kings Vorlage gemein hat, ist der 1987 erschienene „Running Man“. Der Film basiert auf Kings Roman „Menschenjagd“ (1982), den dieser unter seinem Pseudonym Richard Bachman schrieb. In einer dystopischen Zukunft – im Film handelt es sich um das Jahr 2017, im Buch 2025 – finden im Fernsehen blutige Gameshows statt. Eine davon ist die Show „Menschenjagd“, in der sogenannte Jäger einen jeweiligen Kandidaten jagen und möglichst unterhaltsam und blutrünstig töten müssen. Sollte der Kandidat die Show überleben, winkt ihm ein beachtliches Preisgeld. Buch und Film haben im Grunde nur den Namen der Hauptfigur und das Konzept der TV-Show gemeinsam. Im Film spielt Arnold Schwarzenegger den Teilnehmer, der sich seinen Weg durch die Show kämpfen muss. King’s Idee, die „Menschenjagd“ zugrunde liegt, wurde bereits 1958 in einer Kurzgeschichte von Robert Sheckley unter dem Titel „Das Millionenspiel“ sehr ähnlich literarisch verarbeitet und unter gleichem Titel 1970 als deutsche Produktion verfilmt.

Stand by me

Eine der beliebtesten und erfolgreichsten King-Verfilmungen ist sicherlich Rob Reiners „Stand by me“ aus dem Jahr 1986. Der Film basiert auf der Erzählung „Die Leiche“, die in Kings Novellensammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ (1982) erschien. „Stand by me“ war bei den Oscars 1987 in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert und war finanziell ein großer Erfolg. In dem Coming-Of-Age- und Abenteuerfilm geht es um vier Freunde, die sich in den 50er-Jahren auf die Suche nach der Leiche eines verschwundenen Jungen machen und auf ihrer Reise ihre Kindheit hinter sich lassen.

Nach dem großen Erfolg von „Stand by me“ gründete Regisseur Reiner gemeinsam mit drei Kollegen das Filmstudio Castle Rock Entertainment. Der Name Castle Rock bezieht sich dabei auf die fiktive Stadt, in der zahlreiche Stephen King Geschichten spielen. Da King „Stand by me“ sehr mochte, hielt er sehr viel von Rob Reiners Arbeit und Haltung zu Filmen. So kam es zu einem interessanten Deal zwischen dem Autor und Castle Rock Entertainment. Das Studio konnte die Rechte für jedes von Kings Werken für nur einen Dollar erwerben. Im Gegenzug ließ sich King jedoch die Entscheidungsgewalt zusichern, als letzte Instanz das jeweilige Drehbuch, den mit dem Film betrauten Regisseur und auch die Besetzung abzusegnen. Zusätzlich ließ der Autor sich das Recht einräumen, ein laufendes Projekt, egal wie weit fortgeschritten die Produktion auch sein mochte und wie viel Geld bereits investiert worden war, einzustampfen, wenn er mit gewissen Entwicklungen nicht einverstanden war. Außerdem handelte King 5% Gewinnbeteiligung an den Einnahmen aus, die die Filme an den Kinokassen generieren würden. Unter diesen Bedingungen produzierte das Studio in den folgenden Jahren sechs weitere, zum Teil sehr erfolgreiche, King-Verfilmungen.

Castle Rock Entertainment und Frank Darabont

So erschienen neben den eher bedeutungslosen „Needful Things“ (1993), „Dolores“ (1995) und „Dreamcatcher“ (2003) der hervorragende „Misery“ (1990). Der Film basiert auf Kings Roman „Sie“ aus dem Jahr 1987 und ist der zweite King-Film, bei dem Rob Reimer Regie führte. James Caan spielt hier ein erfolgreicher Romanautor namens Paul, der gerade sein neuestes Buch der beliebten Misery-Saga fertiggestellt hat. Auf dem Nachhauseweg kommt Paul aufgrund eines Schneesturms von der Straße ab und wird schwer verletzt. Eine ehemalige Krankenschwester namens Annie, gespielt von Kathy Bates, rettet ihn aus dem Autowrack und nimmt ihn bei sich zuhause auf. Schon bald stellt sich Annie als leidenschaftlicher „Misery“-Fan heraus. Aus Dankbarkeit für seine Rettung lässt Paul Annie vorab sein Manuskript lesen. Doch diese ist mit dem neuen Buch überhaupt nicht zufrieden. Kathie Bates gewann für ihre Darbietung als Annie den Oscar als beste Hauptdarstellerin 1991 und auch finanziell war „Misery“ ein großer Erfolg, der selbst den King of Horror, wie bereits „Stand by me“ vier Jahre zuvor, begeistern konnte.

Doch auch wenn „Misery“ zu Beginn der 90er Jahre so etwas wie den Höhepunkt der King-Adaptionen darstellte, sollten in den nächsten Jahren noch großartigere und erfolgreichere Filme folgen. 1994 erschien „The Shawshank Redemption“, („Die Verurteilten“), ein Drama, das von Frank Darabont geschrieben und inszeniert wurde. Der Film basiert auf der King-Novelle „Frühlingserwachen: Pin-Up“ (1982) und erzählt die Geschichte des Bankiers Andy Dufresne, gespielt von Tim Robbins, der trotz seiner Unschuldsansprüche wegen Mordes an seiner Frau und ihrem Liebhaber zu lebenslanger Haft im Staatsgefängnis Shawshank verurteilt wird. In den folgenden zwei Jahrzehnten freundet er sich mit einem Mitgefangenen Ellis „Red“ Redding (Morgan Freeman) an und versucht, einen Sinn im Leben hinter Mauern zu finden.

Obwohl „The Shawshank Redemption“ bei seiner Veröffentlichung von der Kritik durchaus gelobt wurde, floppte der Film an den Kinokassen und spielte gerade einmal 16 Millionen US-Dollar ein. Trotzdem wurde Darabonts Film für sieben Oscars nominiert, darunter in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Dank dieser Aufmerksamkeit kam es zu einer Neuveröffentlichung in den Kinos, was den finanziellen Erfolg des Films nachträglich sicherte. Seit dem Jahr 2008 liegt „The Shawshank Redemption“ in der Internationalen Filmdatenbank IMDB auf Platz 1 der besten Filme aller Zeiten.

1999 erschien ein weiteres Gefängnis-Drama „The Green Mile“, bei dem erneut Frank Darabont Regie führte und auch das Drehbuch geschrieben hatte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen King-Roman aus dem Jahr 1996. Darin spielt Tom Hanks einen Gefängniswärter im Todestrakt, der nach der Ankunft eines mysteriösen Sträflings namens John Coffey (Michael Clarke Duncan) übernatürliche Ereignisse miterlebt.

Im Gegensatz zu „The Shawshank Redemption“ war „The Green Mile“ mit eingespielten 286 Millionen Dollar ein riesiger kommerzieller Erfolg. Dazu wurde „The Green Mile“ für vier Oscars nominiert, darunter auch in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Nebendarsteller“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Nach „The Shawshank Redemption“ ist „The Green Mile“ die zweite King-Adaption, die sich unter den 50 höchstbewerteten Filme der IMDB-Top 250 befindet.

Zweite Welle in den 2010ern

Nach diesen Riesenerfolgen wurde es nach der Jahrtausendwende eher ruhig um das Thema King-Adaptionen. Darabont drehte 2007 den durchaus sehenswerten Film „Der Nebel“, der jedoch überhaupt nicht an die Erfolge seiner Vorgängerfilme heranreichen konnte. Ebenfalls 2007 erschien zudem „Zimmer 1408“ in dem John Cusack dem Geheimnis eines ominösen Hotelzimmers auf den Grund geht, in dem eine große Anzahl an Gästen gestorben sind. Darüber hinaus wurde jedoch kaum noch etwas produziert, das nachhaltig in Erinnerung geblieben wäre.

Erst in den 2010er Jahren nahm dann so etwas wie die zweite Welle der King-Verfilmungen Fahrt auf. 2013 schien zunächst das bereits zweite Remake zu „Carrie“, in dem nun Chloe Grace Moretz in der Rolle der titelgebenden Carrie und Julianne Moore in der der fanatischen Mutter zu sehen ist. 2017 verfilmte Nikolaj Arcel das vermutlich bekannteste Werk von Stephen King: „Der Dunkle Turm“. Der Film blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Deutlich erfolgreicher war im selben Jahr Andres Muschiettis „Es“, der mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 700 Millionen Dollar zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten avancierte und 2019 mit „Es – Kapitel 2“ fortgesetzt wurde.  Im selben Jahr erschienen mit Mike Flanagans „Doktor Sleeps Erwachen“, einer Fortsetzung zu „The Shining“, und einem Remake von „Friedhof der Kuscheltiere“ zwei weitere King-Verfilmungen, die durchaus erfolgreich waren.

Außerdem erschienen mit „Das Spiel“ (2017), „1922“ (2017) und „Im hohen Gras“ (2019) drei weitere Filme ohne Kinostart direkt auf Netflix.

Zukünftige Projekte

Insgesamt erschienen neben einigen TV-Serien seit 1976 über 65 Filme, die auf einer Vorlage von Stephen King basieren. Diese unglaubliche Zahl zeigt, welche Faszination von den Werken des King of Horrors nach wie vor ausgeht. Und auch in Zukunft dürfen sich Kinofans auf einiges freuen. Für die nähere Zukunft angekündigt sind bereits eine bisher titellose Fortsetzung zu „Pet Sematary“ (2019), sowie Remakes von „Firestarter“ (1984), „Salem’s Lot“ (1979), „Tommyknockers“ (1993) und „Running Man“ (1987). Dazu befinden sich Verfilmungen der bisher nicht adaptierten Kurzgeschichten und Erzählungen „Mr. Harrington’s Phone“, „The Gingerbread Girl“ und „Mile 81“ in der Planungsphase. Es sieht demnach so aus, als würden auch in den nächsten Jahren noch so einige King-Verfilmungen durch die Kinos und Streaming Portale dieser Welt geistern. Und vermutlich wird Kings cineastische Präsenz auch das literarische Schaffen und Leben des Autors überdauern. 

Werbung

6 Gedanken zu „Stephen King – Der König der Romanverfilmungen“

  1. Meine Güte, wenn man es nochmal so schön niedergeschrieben sieht, ist das schon echt beachtlich. Gefühlt ist damit ja irgendwie jeder zweite Roman irgendwo auch Vorlage für ein Buch oder eine Serie gewesen. Spannend, dass dabei echte Meisterwerke entstanden sind, aber auch viele Gurken. Was natürlich nicht verwundert, bei der Menge an Vorlagen. Diese Mini-Serie „Der Anschlag“ mochte ich zuletzt echt gerne… Ansonsten kenne ich hauptsächlich die alten Filme.

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr schöner Überblick. Ich habe nix Sinnvolles beizutragen, außer, dass David Lynch ganz in der Nähe von ‚Maximum Overdrive‘ ‚Blue Velvet‘ drehte. und mehrfach die Arbeiten unterbrechen musste, weil die MO Explosionen auf der Tonspur auftauchten…

    Gefällt 1 Person

  3. Sehr lesenswerter Beitrag. Der Abschnitt zu „Stand By Me“ hat mich sehr interessiert. Auch auf der Blu-ray des Films hört man King verlauten, wie sehr er den Film schätzt. Ich kann dir sehr meine Kritik und das dazugehörige Special ans Herz legen. 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s